Das im Herder-Verlag erschienene Buch „Persönlichkeitsrechte für Tiere“ stellt die Frage, was eine Persönlichkeit auszeichnet, ob wir diese Aspekte auch bei bestimmten Tierarten finden und was das für moralische Konsequenzen haben sollte. Der Autor Karsten Brensing ist Meeresbiologe und Verhaltensforscher und arbeitet für die internationale Wal- und Delfinschutzorganisation WDC. Aus diesem seinen Erfahrungshintergrund heraus zeigt er im Buch besonders viele Beispiele aus der Forschung rund um Wale und Delphine.

persoenlichkeitsrechte_fuer_tiereEs lässt sich anhand wissenschaftlicher Ergebnisse zeigen, dass Delphine sich selbst Namen geben, mit denen sie sich rufen oder aufeinander referenzieren können. Das sie so komplexe Allianzen eingehen, wie wir sie nur Menschen zumuten. Das sie komplexe Aufgabenstellungen lösen können, Mitgefühl zeigen und ein Selbstbewusstsein haben. Und vieles mehr.

Das er für einen ähnlichen Umfang an Fähigkeiten auch zahlreiche Belege bei den Menschenaffen (uns als Homo sapiens eingeschlossen) gibt, ist auch vielen, die sich mit der Thematik beschäftigen nicht ganz neu. Aber wie stark viele dieser Fähigkeiten ausgeprägt sind und wie viel wir darüber aus wissenschaftlicher Sicht wissen, ist sehr spannend.

Und nicht zuletzt ein Papagei, der selbst Interviewfragen von Journalist*innen beantworten konnte, ohne diese eingeübt zu haben, Elefanten, die ihre Verstorbenen beerdigen oder Vögel, die sich selbst Werkzeuge bauen, um mit diesen für sie neue, komplexe Aufgaben zu lösen, lassen die Grenze zwischen dem Mensch und bestimmten anderen Tieren verschwimmen. Zumindest, wenn es darum geht, wer eine Person ist.

Denn nach gängigen wissenschaftlichen Definitionen und Erkenntnissen gibt es eine Reihe an Tierarten, deren Individuen als Personen anzusehen sind. Und für Personen gelten schon heute Rechte; nur dass diese eben nur auf menschliche Personen angewandt werden.

Aus ethischer Sicht ist für viele Menschen schon lang keine Frage mehr, ob wir moralisches Verhalten auch gegenüber Tieren zeigen sollten. Wie das Buch „Persönlichkeitsrechte für Tiere“ in einer gut geschriebenen Art und Weise zeigt, ist es bei bestimmten Tierarten auch wissenschaftlich keine Frage mehr, zumindest wenn man einer der wichtigsten moralischen Prinzipien des Menschen folgt: Im Zweifel für den Angeklagten.

Das erste Kapitel des Buches ist eine fiktive Geschichte, die weder spannend zu lesen ist, noch wichtig für das restliche Buch. Von diesem schwachen Start ins Buch abgesehen liest sich „Persönlichkeitsrechte für Tiere“ sehr gut, da es überwiegend unterhaltsam geschrieben ist, die Lesenden gut einbezieht und spannende Tatsachen schildert. Die Darstellung der negativen Seiten des menschlichen Eingreifens in die Natur wird nur an wenigen Punkten beschrieben. Dies geschieht deutlich, aber weiter seriös. Das Buch „Persönlichkeitsrechte für Tiere“, stellt eine wirkliche Leseempfehlung dar.

Persönlichkeitsrechte für bestimmte Tiere wären ein großer Schritt für die Entwicklung der menschlichen Moral – und ein wichtiger Schritt hin zu einer Welt des ehrlichen und verantwortlichen Handelns und ein Schritt hin zu universalen Tierrechten.

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(mh)