Gedankenlose Völlerei

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Zu den umwelt- und tierethischen Aspekten des Fleischkonsums

von Kurt Remele

Erschienen in: Amosinternational. Internationale Zeitschrift für christliche Sozialethik H. 2, Jg. 7 (2013) S. 38-43.

Für einen überwiegenden Teil der Menschen stellt das Essen von Tieren eine liebgewonnene kulinarische Gewohnheit dar, ein unhinterfragtes Recht und eine logische Konsequenz des gottgewollten Vorrangs des Menschen vor allen anderen Lebewesen. Und dies, obwohl das gegenwärtige Ausmaß des Fleischkonsums gewaltige ökologische Probleme verursacht und nur unter der Voraussetzung möglich ist, dass Tiere misshandelt und buchstäblich am laufenden Band getötet werden. Nach dem britischen Philosophen Stephen R. L. Clark stellt Fleischkonsum deshalb in wohlhabenden Gesellschaften nichts anderes dar als „gedankenlose Völlerei“ (Clark, 2007, 201). Das Essen von Tieren sei ebenso wenig zu rechtfertigen wie Tierhetzen, Stierkämpfe und andere Formen der Tierquälerei.

Foto von Prof. Kurt Remele

Der Autor dieses Artikels Kurt Remele ist ao. Univ.-Prof. am Institut für Ethik und Gesellschaftslehre der Katholisch-Theologischen Fakultät an der Karl-Franzens-Universität Graz und Fellow des Oxford Centre for Animal Ethics.

Vor allem in den südlichen Bundesländern Österreichs, in der Steiermark und in Kärnten, erfreut sich eine bestimmte liturgische Feier großer Beliebtheit: die „Fleischweihe“ am Karsamstag. Religionssoziologischen Befunden der Säkularisierung und „Verbuntung“ (Paul Michael Zulehner) zum Trotz genießt die „österliche Speisensegnung“, wie diese Andachtsfeier in der kirchenamtlichen Sprache korrekt heißt, im regionalen Kirchenvolk nahezu den Status eines „achten Sakraments“. Die Menschen, auch viele, die sich sonst kaum in einer Kirche blicken lassen, bringen Schinken und Würste, Eier und Salz, Brot und Kren/Meerrettich in die Pfarr- und Filialkirchen, zu Kapellen, Bildstöcken und Wegkreuzen. Dort werden die Lebensmittel von einem Geistlichen oder einem eigens beauftragten Laien gesegnet. Die Körbe, in denen sich die Speisen befinden, sind mit kunstvoll bestickten Tüchern zugedeckt, und die Menschen tragen häufig Tracht. Das Osterfleisch wird mit folgenden Worten gesegnet: „Herr, unser Gott, segne das Osterfleisch: Es werde für uns zum Zeichen für das wahre Osterlamm, für Jesus Christus.“ (Segnung der Osterspeisen)

Jesus als „Agnus Dei“, als das geopferte Lamm Gottes, ist übrigens das Innungszeichen und klassische Berufssymbol der Fleischhauer/Metzger. Diese haben in Österreich viel zu tun: Der Pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch in Österreich beträgt 98,4 kg. Zieht man Knochen und nicht verzehrbare Teile ab, bleibt noch immer einen Anteil von rund 65 kg pro Kopf und Jahr. Pro Woche verzehren die Österreicherinnen und Österreicher im Durchschnitt 1,25 kg Fleisch. Ernährungsmedizinisch empfohlen wird, maximal zwei Mal pro Woche Fleisch zu essen und insgesamt nicht mehr als 300 bis 600 Gramm.

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    Ein Spot, der anregt, über den Fleischkonsum nachzudenken

    Ganz ohne Blut, dafür akustisch umso eindringlicher weisen die Organisationen UNITED CREATURES und Vegetarierbund Deutschland (VEBU) in neuen Kino- und Radiospots auf die Konsequenzen des ungebremsten Fleischkonsums hin.
    Ab Freitag, dem 30. August 2013, läuft der größtenteils akustische Spot „DEINE ENTSCHEIDUNG“ in den Kinos der Cinecom-Kette und im Votivkino sowie ab dem 2. September im Radio bei KRONEHIT. Die Spots sind ganz aktuell vorab auf der Kampagnenseite unter deineentscheidung.com/spots zu sehen und zu hören.

    Die Spots rufen in Erinnerung, was der Konsument im Alltag gerne „überhört“ und vergisst: Hinter jedem Schnitzel und jedem Steak stand einmal ein fühlendes Lebewesen, das leben und nicht zur Schlachtbank wollte. In den 20-Sekunden-Spots hört man eine alltägliche Szene in einem Restaurant, Bestellungen werden aufgenommen. Während jedoch die Bestellung des Spinatstrudels keine Folgen hat, kommt es bei der Schweinsschnitzelbestellung zu einem Überraschungseffekt!

    „Wie und mit welchen Produkten wir uns ernähren, ist heute eine höchstpersönliche Entscheidung, die jeder und jede für sich treffen kann“, sagt Thomas Winger von UNITED CREATURES als Initiator der Kampagne. „Das Fleisch auf unseren Tellern kommt nicht von virtuellen Tamagochis, sondern von Millionen Tieren und hat direkte Auswirkungen auf Tierleid, Umwelt und Gesundheit“.

    Mit der Kampagne „Deine Entscheidung“ machen United Creatures und VEBU auf die Auswirkungen unseres Ernährungsverhaltens aufmerksam. Auf der Kampagnenseite www.deineentscheidung.com locken neben Informationen rund um das Thema auch leckere vegetarische und vegane Rezepte für einen ersten Schritt zu einer ausgewogenen, fleischlosen Ernährung.

      Du kannst leckere vegane Gerichte kochen und liebst es, sie toll in Szene zu setzen. Und mit Deiner Kamera bist Du auch auf Du und Du? Dann schick uns zwei oder drei Rezepte samt Fotos zu, damit wir uns davon welche für die Kampagnenseite deineentscheidung.com heraussuchen können.

      Die derzeit laufende Kampagne „Deine Entscheidung“ dreht sich um die Auswirkungen der Wahl Deines Essens. Die Auswirkungen dieser Entscheidung können für andere und für einen selbst positiv oder negativ sein. Je nach dem was auf dem Teller landet, gibt es mehr oder weniger Tierleid, die Umweltbelastung variiert und die Mahlzeit ist unterschiedlich gesund. Und nicht zuletzt, geht es mit der Wahl Deines Essens auch um den guten Geschmack!

      Dein Rezept auf deineentscheidung.com

      Fotos verschiedener ansprechend angerichteter Speisen

      Um nun aber Menschen, die bisher noch nicht viel Erfahrung mit dem Kochen gewaltfreier Gerichte haben, ein paar Rezepte anzubieten, gibt es auf der Seite auch eine Rezeptdatenbank, die jede Woche um ein weiteres Rezept wachsen soll. Und hier könnte Deines dabei sein!

      Samt Link auf Deinen Blog oder Deine Facebook-Seite, falls Du solche betreiben solltest.

      Wie machst Du mit?

      1. Schau Dir unter deineentscheidung.com/vegane-rezepte an, wie die bisherigen Rezepte aufgebaut sind und halte Dich an diese Form.
      2. Schreibe Dein eigenes Rezept oder nutzt eines, auf dem kein Urheberrecht liegt.
      3. Bereite das Gericht zu und fotografiere das Ergebnis in einer ansprechenden Form.
      4. Bearbeite das Foto so, dass es Dir gefällt und speichere es für „Deine Entscheidung“ im Querformat mit 1024px Breite.
      5. Schicke 1 bis 3 Rezepte (als Datei im Anhang) und die Fotos (ebenfalls im Anhang) per Email an michael.hartl@united-creatures.com
      6. Wir melden uns bei Dir, wenn wir zumindest eines der Rezepte nehmen – und geben Dir ein weiteres Mal Bescheid, wenn wir es online stellen!

      Danke an alle, die mitmachen werden – und an alle, die diese Aktion zu verbreiten helfen!

      (mh)