Das österreichische Tierversuchsgesetz ist über 20 Jahre alt. Seit dem hat sich der Wissenstand zu Testmethoden ohne Tiere erheblich gesteigert und die Gesellschaft ist sensibler, was den Umgang mit Tieren angeht. Es ist also schon längst höchste Zeit, das Tierversuchsgesetz an die Realität anzupassen. Und obwohl das schon länger gefordert wird, hat sich hier in den letzten Jahren leider nichts getan.

Ende 2010 trat dann eine EU-Richtlinie zum Schutz von Versuchstieren in kraft. Diese muss bis November 2012 auch hier in Österreich in nationales Recht umgesetzt werden. So steht nun doch eine Änderung des Tierversuchsgesetzes bevor. Was eine große Chance für Verbesserungen sein könnte, wird aber nicht genutzt. Obwohl nach einer IFES-Umfrage 78 Prozent der ÖsterreicherInnen für eine Tierschutzombudsschaft sind, stellt sich die ÖVP im Dienste der Pharmalobby quer.

Was würde ein modernes Tierversuchsgesetz auszeichnen?

Wir schließen uns hier den Forderungen des VGT vollumfänglich an. Diese sind:

  • Tieranwaltschaft für Versuchstiere!
  • Das Verbot von Tierversuchen an Menschenaffen
  • Das Verbot von Tierversuchen zur Ermittlung einer letalen Dosis
  • Jährliche unangemeldete Kontrollen aller Tierversuchseinrichtungen
  • Einschränkung der Versuche an Primaten
  • Erstellung einer intelligenten Datenbank
  • Einrichtung eines Zentrums zur Erforschung und Evaluierung von Alternativen zum Tierversuch
  • Verbot von Tierversuchen bei schwerem, lang andauerndem Tierleid
  • Rehabilitation von Versuchstieren nach dem Tierversuch

Genauere Beschreibungen, was bei jedem einzelnen Punkt gemeint ist, und warum manches davon schon längst überfällig ist, wird auf der VGT-Website ausgeführt.

Drei Viertel der Bevölkerung unterstützen diese Forderungen

Einer neuen repräsentativen IFES-Umfrage zufolge unterstützen 80 Prozent der Befragten diese Forderungen!

  • 80% sind für ein strenges Genehmigungsverfahren bei Tierversuchen, inklusive bindenden Kriterienkatalog, Veröffentlichung aller Tierversuche, rückblickende Bewertung und insbesondere Schaffung einer Oberkontrolle durch eine Versuchstier-Ombudsschaft
  • 74% sind für Tierschutz in die Verfassung
  • 70% sind für ein absolutes Verbot aller Tierversuche an Hunden, Katzen und Affen, obwohl das bei der Reformfrage zum Tierversuchsgesetz gar kein Thema ist; das beweist, dass die momentanen Forderungen nicht die eigentlichen Forderungen im Tierschutz darstellen, die viel weiter gehen würden, sondern bereits ein Kompromiss sind
  • 89% wollen die Errichtung eines Zentrums für die Erforschung und Evaluierung von Alternativen zum Tierversuch, wobei das Wissenschaftsministerium das nicht vorsieht
  • 91% finden ein strenges Tierversuchsgesetz wichtig oder sehr wichtig, aber die VertreterInnen des Tierschutzes sind aus den Verhandlungen zum neuen Tierversuchsgesetz ausgeschlossen

Tierschutz in die Verfassung, damit Tierschutz rechtlich relevant wird

Zusätzlich zu einer Verankerung von Tierschutz im Tierversuchsgesetz müsste er ebenso Einzug in die Verfassung finden. Denn erst das würde eine Abwägung zwischen Erkenntnisgewinn für die Wissenschaft und dem verursachten Leid für das Versuchstier ermöglichen. Andernfalls würde letztlich auch bei einem modernen Tierversuchsgesetz die Freiheit der Wissenschaft immer überwiegen.

Doch auch das verhindert die ÖVP seit langem! Bereits am 27. Mai 2004, nach einem erfolgreichen Volksbegehren und einer Petition von zahlreichen WissenschaftlerInnen an den Bundeskanzler, haben alle Parteien einstimmig einen Entschließungsantrag angenommen, wonach Tierschutz in die Verfassung aufgenommen werden soll. Heute, über 18 Jahre später, ist das immer noch nicht geschehen. Die ÖVP, die einen dazu nötigen Parlamentsausschuss fortlaufend verhindert, ignoriert damit den Wunsch der ÖsterreicherInnen und einen Beschluss des Nationalrates!

PRESSE-Inserat „ÖVP blockiert ein modernes Tierversuchsgesetz!“

Die ÖVP-Blockadepolitik hat UNITED CREATURES veranlasst, sich mit folgendem Inserat in der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“ direkt an die Bevölkerung zu wenden. Das Inserat erscheint am Donnerstag, den 20. September 2012.

das Zeitungsinserat in groß

Informieren Sie sich und helfen Sie mit, ein modernes Tierversuchsgesetz zu ermöglichen!

Informationsvideo zu Tierversuchen in Österreich

Email-Appell an die verantwortlichen PolitikerInnen

Quellen der Bilder in diesem Artikel: Wikipedia und iStock