„Es gibt keine Alternative“, mit dieser beliebten Begründung wurden bereits Kriege geführt, Arbeiter entlassen, Sozialleistungen gekürzt und zahllose weitere Gemeinheiten rechtfertigt…..

Banner mit der Frage Wer hat die Eier, das Leid zu beenden? und der Domain www.armeschwein.at. Ein blutiges Messer bedroht im grafischen Teil ein Ferkel, unter dessem Hinterteil sich eine kleine Blutlache gebildet hat.„Es gibt keine Alternative“ hört man auch, wenn man Funktionäre der Österreichischen Schweineindustrie auf eine der brutalsten Praktiken anspricht, die es diesseits des Schlachthofs in der heimischen Tierindustrie wohl gibt: die Kastration junger Schweine durch Abquetschen der Hoden ohne Betäubung.

Ausnahmefälle, verursacht von sadistischen Einzeltätern, die hier gegen das Gesetz verstoßen?? Nein, weit gefehlt! Es ist der Alltag in der heimischen Nutztierhaltung, 2.7 Millionen Mal im Jahr, 7.000 Mal jeden Tag (!!!), werden männliche Ferkel in Österreich dieser qualvollen Prozedur unterzogen. Mit der Begründung, damit zu verhindern, dass ihre Körper vor der Schlachtung eventuell den sogenannten Ebergeruch entwickeln. Aber nur ein minimaler Prozentsatz aller geschlachteten Tiere entwickelt diesen, für den Konsumenten ungewohnten Geruch. Um das zu verhindern, kastriert die Industrie zur Sicherheit gleich alle männlichen Ferkel – wie am Fließband, jeden Tag, tausende Male.

„Das ist doch Tierquälerei“, denkt hier der Laie, „dagegen muss es doch ein Gesetz geben!“ Nun, das gäbe es wohl, wäre hier vom Gesetzgeber nicht eine kleine, wohlgesetzte Ausnahmeregelung zugunsten der Tierindustrie eingefügt worden. Diese nimmt Ferkel bis zum siebten Lebenstag nämlich von seinem Schutz aus! Ganz so, als ob ein wenige Tage altes Ferkel keinen Schmerz empfinden würde….

Andere Wege und geschickte Ausreden

Seit Jahren ist sich die kritische Wissenschaft darüber einig, was für den Laien auf den ersten Blick offensichtlich ist: dieser Eingriff bedeutet massive, unzumutbare Tierqual! Unzählige Studien, auf europäischer, wie auch nationalstaatlicher Ebene kommen ebenfalls zu dem Ergebnis. Und der überwiegende Teil Europas hat auch bereits reagiert, hat andere Wege gesucht und gefunden: die Schweiz erlaubt Kastration nur mehr unter Narkose, Deutschland, Dänemark und Holland haben sich bereits zu einem Ausstieg aus der Schmerzkastration verpflichtet, in England und Irland war die Ferkel-Kastration von jeher unbekannt. Also wäre doch eigentlich alles auf dem richtigen Weg? Ja, wenn es – neben dem landwirtschaftlich rückständigen Polen – nicht noch ein weiteres Land gäbe, wo beharrlich und erfolgreich gegen jedwede Veränderung der Schmerzkastration betoniert wird: Österreich.

Alle Initiativen wurden von der gut organisierten Schweine-Lobby bisher routiniert abgewürgt. Geschickt wird auf die freiwillige Selbstverpflichtung der Schweine-Bauern verwiesen, vor der Kastration METACAM, ein sogenanntes „Schmerz“mittel zu applizieren. Schlau wird dabei unter den Tisch fallen gelassen, dass dieses entzündungshemmenden Mittel hauptsächlich die gewinnschädigende Todesrate nach der Kastration reduzieren soll. Lindernde Wirkung auf den Operationsschmerz hat es keine, und auf den langanhaltenden Schmerz nach der Kastration nur wenige Tage.

Profit über alles

Und hier liegt auch des Pudel Kern begraben: Wie ist es möglich, dass Schweinebauern – wahrscheinlich überwiegend ganz normale, freundliche und gesellschaftlich angepasste Menschen – eine so brutale Handlung wie die Schmerzkastration widerspruchslos und unhinterfragt als Teil ihrer Erwerbstätigkeit sehen?

Das Phänomen spiegelt die Realität jeder wirtschaftlichen Tätigkeit:

Oberster, eherner Parameter auch jeder landwirtschaftlichen Gleichung ist die Profitabilität; danach folgen, bereits in deutlich weniger dogmatischer Gewichtung, die (angeblichen) Interessen des Konsumenten, und – wenn wirtschaftlich vertretbar – eventuell auch noch ökologische Überlegungen. Das Wohl oder Leid der Hauptperson – in diesem Fall des zum Konsum produzierten, gehaltenen und geschlachteten Tieres ist bestenfalls eine Fußnote wert.

„WER HAT DIE EIER DAS LEID ZU BEENDEN?“

Diese Frage stellen wir von UNITED CREATURES nun in unserer aktuellen Medienkampagne gegen die Schmerzkastration.

Wollen wir in Österreich wirklich wieder das Schlusslicht in Sachen Tierschutz sein, während rundum Verbesserungen entwickelt und eingeführt werden?

Auf der Website www.armeschweine.at formulieren wir einen eindringlichen Appell an die Politik, an die Schweine-Industrie und an den Handel, endlich vom „Schuldzuweisungs-Modus“ in den Handlungsmodus zu wechseln.

Weil der Moment ist nicht fern, wo auch der eingefleischte Konsument sagen wird: „lieber kein Schweinefleisch, als ein qualvoll produziertes“.

Is there no alternative? YES, THERE IS !

(Thomas Winger)